Stellungnahme zum Regionalplan des Vereins „Augen auf e.V.“ – Auszug

In den vergangenen Tagen ist viel über den neuen Regionalplan gesprochen und geschrieben worden. Viele öffentliche Stellen und Vereine haben ihre Stellungnahmen nach Arnsberg gesendet und hoffen dort Gehör zu finden.

Auch der Verein Augen auf e.V.  hat eine Stellungnahme zu der Regionalplanung abgegeben, die wichtigsten Dinge sind im Anschluss zusammengefasst.

Bild: Mike Salomon – Ischeroth bei Sonnenaufgang im Sommer 2021

Wir als Verein haben uns als Aufgabe gesetzt uns der Natur hier vor Ort anzunehmen. Einer der Hauptgründe ist sicherlich das man bei vielen politischen Entscheidungen oft das Gefühl hat, die Bedürfnisse der Natur würden keine, oder nur sehr geringe, Einflüsse auf die Entscheidungsträger haben. Freudenberg kann sicherlich in den letzten Jahrzehnten auf eine Vielzahl von Entscheidungen zurück blicken die, bei mehr Priorität für Umweltpolitische Gründe, sicher anders hätten ausfallen müssen. Umso mehr hat es uns erfreut, das im aktuellen Regionalplan an einer Vielzahl von Stellen der Umweltschutz endlich die ihm zustehende Aufmerksamkeit erfährt.

Trotzdem fällt bei genauem Studium auf, dass die Kommunen weiterhin viele Möglichkeiten für die Ansiedlung von GIB Flächen im Regionalplan erhalten. Die bei etwas genauerem Hinschauen sicher nicht als solche verwertet werden sollten und dürfen.

Vornehmlich geht es hier um den Berg Ischeroth!

Auf dem Ischeroth mit seinen Wanderwegen liegt einem nicht nur “viel Siegerland“ zu Füßen. Der markante Berg ist auch Teil einer großräumigen Biotopvernetzung. Viele Tier- und Pflanzenarten benötigen die störungsfreie räumliche Zuordnung miteinander verbundener ausreichend großer Lebensräume. Für diese Arten sind diese Areale normales Aufenthalts-, Jagd- und Nahrungsrevier erforderlich. Die bisherige Durchlässigkeit des Ischeroth – Gebietes sichert eine solche offene Wanderung, z.B. von Rotwild, Wildkatzen und Luchsen. Der Ischeroth ist somit ein Teil des europaweit bedeutsamen Wildtierkorridors “Grünes Band der Landhecke“. Es bildet die wichtigste Verbindung zwischen dem Rothaargebirge und dem südlichen Sauerland zum Westerwald. Solche Wildkorridore, die sonst räumlich getrennt Teillebensräume verbinden, gelten als Bereiche für den Schutz der Natur. So zählt der Ischeroth als prägender Naturraum im Kulturlandschaftsbereich Siegen zum exponierten Bestandteil des Biotopenverbundes der Stufe II mit einem hohen hydrologischen Wert für die umliegenden Biotope.

Als ein solches Biotop gehört der Quellbereich des Lederbaches am Fuße des Ischeroth. Geradezu malerisch ist es anzusehen, wie sich aus dem Berg quellende Wasser zunächst in einer Pfütze sammelt, als kleines Rinnsal weiterläuft und sich später kurvenreich durch das Tal zieht. Es wächst zum winzigen Bach und fließt als Lederbach am Grund einer sich durch das Gelände ziehender Schlucht Richtung Lindenberg. Auf der anderen Seite des Berges entspringt die Wending die ihren Weg durch das direkt unterhalb des Berges liegende Naturschutzgebiet Wending – und Peimbachtal nimmt. Das bei Baumaßnahmen auf dem höchsten Punkt des Berges dort direkt zwei Bächen im wahrsten Sinne des Wortes „das Wasser abgegraben“ wird scheint auf der Hand zu liegen.

Die Waldflächen des Ischeroth werden zumeist genossenschaftlich bewirtschaftet. Sie befinden sich im Besitz der beiden Waldgenossenschaften Bühl und Büschergrund.

Mit etwas Glück kann man im Juni/ Juli die schönen und seltenen Schmetterlinge “Großer Blauschillerfalter“ und “ Großer Eisvogel“ beobachten. Das Vorkommen dieser anspruchsvollen Waldschmetterlinge zeigt die Hochwertigkeit des Ischerother Waldes mit Schluchtwald. Der Ischeroth hat eine hohe Biodiversität, die zu schützen und zu erhalten ist. Rotmilane und Schwarzmilane ziehen hier regelmäßig ihre Kreise.

Die Pläne des Luftkurortes Freudenberg würden den Ischeroth in eine weithin sichtbare Industrieterrasse verwandeln. Die Naturschutzinitiativen NABU/ BUND/ NI verurteilen diese Industriegebietspläne der Stadt Freudenberg aufs schärfste!

Bei dem Ziel, auf die Klimawandel – Folgen zu reagieren kommt den Wäldern als Kohlenstoffspeicher ein hohes Gewicht zu. Dem steht die GIB – Planung Wilhelmshöhe-Nord entgegen, die von einer massiven Waldvernichtung und Landschaftsumformung ausgeht. Zu beachten ist neben dem Waldnaturschutz auch die Erholungsnutzung im Wald, der angesichts der Leitbild – Festlegung für die Stadt Freudenberg eine wesentliche Relevanz zukommt.

Obwohl wir bereits von Gewerbe,- Industriegebiete umzingelt sind, müssen wir uns, trotz der allgegenwärtigen Debatte zum Klimaschutz, jetzt gegen ein weiteres wehren.

Die Zerstörung hat verheerende Folgen! Nicht zuletzt für die Menschen, die dort leben. Werden Kultur- und Charakterbild der Region zerstört, wird auch das Leben der Menschen dort zerstört!

Wir wollen unsere Kulturlandschaften nicht auf einige, wenige Reservate beschränken, sondern dass die Landschaften durch ihre charaktertypischen und prägenden historischen Merkmale als Gesamtfläche des Landes auch für die nächsten Generationen erhalten bleiben. Unser Bestreben muss es sein, Kulturlandschaften, wie z.B. den Ischeroth, den Knippen und den Kuhlenberg als nationales Naturerbe zu pflegen und zu fördern.

Seit Jahrzehnten geht ein Gespenst Namens Wachstum um. Ein sehr lebhaftes Gespenst übrigens; alles muss wachsen, die Umsätze, die Gewinne, die Industriegebiete und die Neubaugebiete. Das scheint das Dogma zu sein. Und bitte nicht hinterfragen! Es ist für jeden leicht erkennbar, dass dieses Wachstum auf Kosten unserer natürlichen Ressourcen geht, unserer Natur und unser Menschsein.

Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir uns unsere Eigenverantwortung wieder zurückholen. Vielleicht ist Regionalität mit Bestimmung auf unsere Wurzeln ein Samen aus dem eine großartige Zukunft für uns und unsere Nachkommen entstehen kann.

Der Ischeroth ist der Berg, über den von Büschergrund ausgesehen, die Morgensonne ins Dorf scheint. Und er ist einzigartig in seiner landschaftsprägenden Eigenart, ein unverwechselbares Naturerlebnis, das einen einmaligen Landschaftsausblick ermöglicht.

Büschergrund, im Juli 2021

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